Fotografie hat noch nicht das Publikum, das sie verdient

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Künstler erörterten, wie sie ihre Situation verbessern könnten.

Mausert sich Regensburg zum ostbayerischen Zentrum für Fotografie und die Anwendung dieses Mediums in der Kunst? Ein Symposion für zeitgenössische Fotografie unter dem Titel „echt? jetzt!“ im Kunst- und Gewerbeverein beschäftigte sich u.a. mit dieser Fragestellung aus regionaler und überregionaler Perspektive und zeigte fotografische Positionen aus der Sicht von Künstlern und eines Ausstellungsmachers auf. Das Thema besitzt Aktualität. Immer mehr junge Fotografen ergänzen auch in der Region die erfahrene Riege von Künstlern, die ihre Bildwelten mit Fotomaterial gestalten, analog und digital, als Collagen oder im Stil der strengen Straight Photography. Wie der Organisator und künstlerische Leiter Martin Rosner sowie Wolfram Schmidt, der schon lange in Sachen Fotokultur aktiv ist, betonten, dürfe das erste Symposion keine Eintagsfliege bleiben. Die Fotografen wollen selbst ihre Situation analysieren und eventuell auch Strukturen schaffen, die aus einem kleinen Kreis von Kennern – und natürlich auch Käufern – einen größeren Kreis von Fotografie-Interessierten machen können.

Die Wege dorthin wurden lebhaft diskutiert. Dazu bot der frühere Regensburger Fotogalerist, der Kulturjournalist Harald Raab, einen Strauß von zu ergreifenden Aktivitäten an. Einig war man sich im ernüchternden Befund: Der Publikumskreis für Fotografie ist erweiterungsfähig. Zum Sammeln von Fotografie muss angeregt werden. Beim Kunstankauf hat Fotografie noch immer nicht den Stellenwert, der ihr gebührt. Raab: „Vor allen anderen Sparten der bildenden Kunst kann die Magie des Fotografischen die Menschen anziehen. Diese immer wieder aufs Neue faszinierende Mischung aus Dokumentation, mag sie noch so zurückhaltend angewendet sein, und dem künstlerischen Blick, die Welt und all ihre Erscheinungsformen neu oder anders zu sehen, hat seine Strahlkraft nicht verloren. Der Mensch ist nun einmal bildersüchtig.“

Auch darüber war man sich einig, wenn auch nicht in allen aufgezeigten Ansätzen: Fotokünstler müssen ihre Sache selbst in die Hand nehmen. Mögliche Ziele wären: Schaffung einer Produzentengalerie mit einem Unterstützungsverein, Einrichtung einer auf Verkauf ausgerichteten Internet-Galerie, Unterstützung beim Aufbau privater Fotosammlungen, Fotokurse, Foto-Artothek, Service-Leistungen für Firmen, die ihr Image mit Fotografie verbinden wollen und vieles mehr.

Die Fotokünstler Klaus von Gaffron und Andy Scholz sowie die schottische Fotokünstlerin Alicia Bruce aus Aberdeen zeigten beim Symposion, welche Spannbreite künstlerisch-konzeptionelles Fotoschaffen haben kann: Gaffrons Farb- und Formsicherheit in traumhaften Tableaus, Scholz’ grafisch klare Bildsprache, die Reales aus dem Alltag ästhetisch hinterfragt, und Bruces Konzept, bekannte malerische Ikonen in fotografische Positionen zu übersetzen. Thomas Elsen, Leiter des H2 – Zentrum für Gegenwartskunst in Augsburg, stellte das weite Feld der Landschaftsfotografie vor. Peter Reill, künstlerischer Mitarbeiter in der Fotoklasse von Professor Dieter Rehm, informierte über die Anstrengungen der Münchner Akademie der bildenden Künste, mit einem fundierten Studium dem Nachwuchs der Fotokunst eine solide Basis für ihre Arbeit als freischaffende Künstler zu geben.

Souverän und kenntnisreich leitete Martin Rosner ein Symposionsgespräch über nationale Grundierung fotografischen Schaffens mit Jim Hamlyn, Dozent für Fotografie an der Universität Aberdeen, und den Fotokünstlerinnen Alicia Bruce, Enikö Hangay, Szilvi Tóth und Eveline Kooijman. Bei aller Globalität: Gerade in der Fotografie spiegeln sich national beeinflusste kulturelle Ausprägungen in den Themen und in deren Bearbeitung wider.

Die spannende Frage ist nun: Wie geht es weiter? Finden Regensburg und Ostbayern ihre fotografische Identität und kann man sich damit in Bayern, in Deutschland und international einen Namen machen?

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